Sinn und Unsinn der Fremdwörterbenutzung
In letzter Zeit stolpere ich immer mal wieder über dieses Thema und habe recht viel darüber nachgedacht.Heute bei der Arbeit heute stolperte ich über folgende Begriffe: "Pylonentafel" und "Digistorium". Da das Hauptthema "Schule" und deren Umbau ist, wunderte ich mich, dass ich damit jetzt so gar nichts anfangen konnte.
Hmmm, eine Tafel in einer Schule ist ja nichts besonderes, aber was ist denn wohl eine Pylonentafel, fragte ich mich und befragte das Internet. Die Erkenntnis ist: Eine Pylonentafel ist eine stinknormale Tafel wie sie seit Jahr und Tag in den Schulen stehen. Also nun wirklich nichts Besonderes.
Das zweite Wort beschreibt - und werde ich weiterhin dieses Wort benutzen ;-) - schlicht und ergreifend einen Abzug, wie ihn wohl jeder Schüler mal im Chemieraum gesehen hat / ertragen musste (je nach Neigung).
Auch wenn ich jetzt vielleicht Wissenslücken offenbare, bei denen andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – allerdings habe ich noch nie in einer Unterhaltung ehemaliger Schüler über die Schule gehört, dass die Rede davon war, das richtige Ergebnis an die Pylonentafel zu schreiben oder die Arbeit mit Chemikalien am Digistorium durchzuführen - war dieses Erlebnis und die damit einhergehende leichte Verwirrung mir doch den Blog-Eintrag wert. ;-)
Jetzt stellt sich mir die Frage: Warum so kompliziert? Man hätte ja durchaus auch die Begriffe verwenden können, die jeder sofort parat hat.
Ist es, weil es beeindruckender klingt, und/oder man irgendwie den Eindruck bekommt, dass es sich um Dinge handelt, die innerhalb der gut 15 Jahre, die z.B. ich eine Schule nicht mehr von innen gesehen habe, völlig neu erdacht wurden?
Sollte es eine Aufwertung des Textes darstellen, wenn der Begriff erst mal nachgeschlagen werden muss?
Oder ist es einfach eine unnötige Wortwahl und hätte besser mit dem zwar einfachen, aber halt unproblematischen deutschen Wort beschrieben werden können?
Auf der Baustelle käme kein Bauleiter auf die Idee, einem Bauarbeiter zu sagen, dass er doch im Chemieraum mal das Digistorium abbauen soll - ohne irgendjemandem zu nahe treten zu wollen: man kann nur spekulieren, WAS in dem Raum demontiert würde. ;-) Also würde das niemand so sagen - warum wird es dann geschrieben? Denn das Leistungsverzeichnis kann durchaus auf der Baustelle landen - und dann ist unter Umständen das Rätselraten groß.
Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich durchaus keine geringe Meinung von Bauarbeitern und ihrem Wissensstand habe. Es geht hier auch nicht um fachliche Dinge, sondern nur darum, dass mir seit einiger Zeit auffällt, dass in den merkwürdigsten Zusammenhängen Fremdwörter verwendet werden, die irgendwie nicht zu passen scheinen.
Oder stolpere nur ich darüber, wenn in einem völlig normalen Zusammenhang auf einmal und völlig unvermittelt zwischen lauter 08/15-Wörtern auf einmal ein Fremdwort verwendet wird, das ich eher in einer anderen Text-Umgebung erwartet hätte? Denn mal ganz ehrlich: Wenn ich etwas weiter oben statt "... war dieses Erlebnis und die damit einhergehende leichte Verwirrung ..." den Satz mit Fremdwörtern gebildet hätte ("... war diese Episode und die damit einhergehende minimale Konfusion ..."), dann hätte es im Gesamtzusammenhang doch etwas merkwürdig gewirkt, oder?
Der Artikel wurde am 19.02.2009 von Pinguin veröffentlicht.
Zeit, Schule, Pylonentafel, Digistorium, Wort, Arbeit, Baustelle, Begriffe, Chemieraum, Dinge, Erlebnis, Tafel, Verwirrung
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Silvi aus Herne (19.02.2009 - 14:00)
Du hast meine Affirmation, Spheniscida! Bei der intendierten Realisierung der linguistischen Simplifizierung des regionalen Idioms resultiert die Evidenz der Opportunität extrem apparent, den elaborierten und quantitativ opulenten Usus nicht assimilierter Xenologien konsequent zu eliminieren!
LG Silvi
PS: Handelte es sich bei der Schule um ein Gymnasium?
LG Silvi
PS: Handelte es sich bei der Schule um ein Gymnasium?
Pinguin aus Île des Pingouins (19.02.2009 - 14:25)
Nein, es handelte sich um eine Realschule - aber die Bezeichnung kommt nicht zwingend von der Schule, sondern sehr wahrscheinlich vom Ingenieurbüro, das die Ausschreibung vorbereitet hat.

